Biodynamische Psychologie

Vom Stein zum Diamant… Gerda Boyesen, Psychologin

Einige Bedeutende Aspekte unterschiedlicher Psychotheorien und energetische Vorgehensweisen kommen hier zusammen. Zu den Hintergründen mehr weiter unten.

Nach ihrer eigenen reichianischen Lehranalyse hat Gerda Boyesen diese Körperpsychotherapie entwickelt – durch klinische Erfahrungen mit psychodynamisch wirksamer Physiatrie.

Die Vorgehensweisen ermöglichen es, die energetische Arbeit behutsamst zu dosieren, subtiler als die Vorgehensweisen von Wilhelm Reich, Pionier der Körperpsychotherapie und biophysikalischer Krebsforschung.

Strömendes Lebensgefühl kann hier auch sehr leise entdeckt werden!

Im Vordergrund steht die Anregung organischer Selbstregulierung – elementar für unabhängiges Wohlbefinden – Abbauen von energetischen Stockungen durch negativen Stress, auch an aktuellen Themen und Befindlichkeiten. Das lässt sich intensivieren durch zunehmend bewusste Klärungsprozesse, auch im Bezugsfeld jetzt und einst, zu mehr innerer Integration und Erweiterung.

Das Besondere
ihrer Konzepte und Methoden entstand aus empirischer Anschauung: durch unverdaute Erlebnisse und lang eingewohnte Körperspannungsmuster bindet gestaute Energie winzige Mengen Flüssigkeit und Ablagerungen toxischer Stoffe. Das wirkt als „nervöse Flüssigkeit“ unangenehm weiter, so wie chronisch verspanntes Gewebe und energielos erschlafftes. Gerda erforschte, wie vor allem bei schlechter Befindlichkeit individuell stimmig zunächst mehr lebendige Durchlässigkeit entstehen kann, damit sich mehr Wohlgefühl einstellt, bzw. belebende Dynamik der parasympathischen Aktivität. Sie entdeckte, wie das hörbar wird als Psychoperistaltik aus den Darmwänden, als archaische Sprache.

So gibt es einen ganzen Fundus psychoperistaltisch wirksamer Massage-Berührung, meiner Erfahrung nach immer ganzheitlich wirksame Art der Begegnung. So auch Deep Draining, indem eingefleischte Stressmuster deutlicher berührt werden und sich in vegetativen Prozessen anfangen zu lösen.
Es zeigt sich, dass auf dem Weg selbstregulierende und selbstheilende Vorgänge nicht unbedingt an bewusste Vorgänge geknüpft sind und zunächst deutlich spürbar sehr wohltun.
Mit mehr Bewusstheit Klarwerden an bedrängenden Themen, das funktioniert wiederum nachhaltiger selbstheilsam, wenn es energetisch körperlich eingebunden erlebt wird. Es wird dann in eigenen organischen Rhythmen und Bewegungen erspürt und empfunden, was manchmal aus kleinsten Impulsen entstehen kann. So kommt heilsames Sprechen immer zuerst aus dem Bauch. Der gilt als archaisches Gehirn.

Im Unterschied zu reichianschen Methoden schont man die lang eingelebten Körpermuster und Selbstwahrnehmungen als notwendigen Schutz, durch wohlwollende Wahrnehmung. So schafft man Bedingungen dafür, dass sie wie von selbst sich erweitern, sobald von innen genügend Lust und Vertrauen für Neues ausgebildet ist.

Wilhelm Reich war noch sehr direktiv vorgegangen, wie seine unmittelbaren Nachfolger Alexander Lowen (Bioenergetik) und John Pierrakos (Core-Eneregtik), den ich selbst mehrmals wochenlang erlebt habe, bzw. auch Reichs Schüler und Kollege Ola Raknes, den Gerda Boysen jahrelang als Lehrtherapeuten erfahren hatte. Deren Methoden eignen sich für stark aufladende Erfahrungen und kathartische Entladung. Bei vielen Menschen wirkten diese Methoden sehr invasiv, manchmal zu sehr. Zudem sind sie fixiert auf die Auflösung des verspannten “Muskelpanzer“ . Man wollte durch die Charaktermaske (Persona) zu unterdrückten Gefühlen und darin gebundener Lebendigkeit vorstoßen.
Reich und Lowen betonten dabei die Befähigung zu Lustempfinden und sexueller Entladung im sogenannt vollen Orgasmus – Indiz gelingender Heilungsprozesse und moralische Reife, auch als Voraussetzung für mündiges Denken.

Die Core-Energetik von John Pierrakos ermöglichte solches Erfahrungsspektrum natürlich, verdeutlichte aber (besonders anschaulich für mich in den groß angelegten Gruppen) , wie leichtfertig und ungewusst oftmals versteckte Agression sexualisiert ausgelebt wird, oft in fataler Abhängigkeit und eigenartigen Teufelskreisen aus Angst und Lust, als Begehren oder vermeintlich als Liebe. Erst die emotional und energetisch aufwühlende Vergegenwärtigung solcher Impulse und Motive mit ihren Schattenaspekten soll sie schließlich zu tief empfundenen Einsichten verwandeln, überdies zu Duchsetzungslust und Weiterentwicklung in jeweils bedeutenden Lebensfeldern. Durch solche Differenziertheit, so der Spirit der Core-Energetik, entfaltet sich überhaupt erst Erotik und Liebe im Spektrum der Lebensenergie und Spiritualität: als innere Verbundenheit.

Dies ist auch das Spektrum der Biodynamischen Psychologie (nach Gerda Boyesen im Sinn von C.G. Jung, der menschliche Entwicklung zu dem als Integration weiblicher und männlicher Aspekte verortete). Allerdings stellte Gerda Boyesen unbedingt das „unabhängige Wohlbefinden“ in den Vordergrund und „Happy Ending“ : Innere Ausrichtung an lustvoller Öffnung (statt an diffusen Befürchtungen) subtil oder vital geschehen lassen.
Sie fand vor allem schmelzende „absteigende“ Energie elementar und gab zu erfahren, dass das auch unabhängig von sexuellem Erleben erfahrbar ist.
Es kann solches Schmelzen auf gute Weise aktuelle und frühe Defizite berühren (Mangel an Sicherheit, vertrauensvollem Halt und Beachtetwerden). Das ermöglicht nachbesserend gute Erfahrungen, oder es rührt an damit einhergehende Schwierigkeiten, die wiederum klärendes Erleben ermöglichen.
Ich beziehe gerne einfache Bewegungsübungen und Gestaltarbeit zu Klärungsprozessen an Beziehungsmustern ein.

„Vom Stein zum Diamant: Das Energetische von Wilhelm Reich, das Sexuelle von Sigmund Freud,
das Spirituelle von C.G. Jung verbinden…“

Sie hätte auch zufügen können: Traumaverständnis und das Mütterliche von Sandor Ferenzci, Beziehungsraum-Gemäßes von Donald Woods Winnicott und Michael Balint. Containment von Wilfred Bion. Ebenso „Mehrgenießen der Mystiker“ von Jaques Lacan (was er in seinem Spätwerk in Augenschein nahm und wovon er seinen Aussagen nach kaum Ahnung hatte und keine Selbsterfahrung. Er sah darin ein qualitatives Mehr im Verhältnis zum „Phallischen Genießen“. Beispielhaft erwähnte er nur Theresa von Avila. Sie hat allerdings selbst überliefert, dass ihr Leben begleitet war von entsetzlichen Schmerzen.)

Ihre anfänglichen Biodynamisch psychologischen Inspirationen erlebte Gerda Boyesen in Oslo in ihrer experimentellen Zusammenarbeit mit Adele Bülow-Hansen, die bereits mit dem Psychoanalytiker und Psychiater Trygve Braatoy zusammenarbeitete. Auch die oben Genannten sind Psychoanalytiker. Die Transformation zum Diamant ist in der buddhistischen Tradition eigentlich das Sublimste. Diesen Bezug hat Gerda Boyesen ebenso nicht ausdrücklich erwähnt.
Sie hat immer sehr begrüsst, dass nicht nur Menschen aus konventionellen Heilberufen ihre biodynamische Weise studierten, vor allem Kinder der Weltkrieg-Generation und des Faschismus.
Ihre Spiritualität wirkte auf mich einfach verblüffend als gelebte Philosophie des Anderen – so leibhaftig ansteckend wie unerklärlich spürbare Formen wohltuender Gesundheit.


Standardwerke sind bei Kösel mehrmals aufgelegt worden und derzeit alle vergriffen:
Gerda Boyesen, Über den Körper die Seele heilen
Gerda Boyesen und Peter Bergholz, Dein Bauch ist klüger als du
Mona Lisa Boyesen, Biodynamik des Lebens